28. Oktober 2020

Das Gleichnis vom Sämann

Vor zwanzig Jahren lachte man über all auf der Welt über japanische Touristen, weil sie ständig eine Kamera dabei hatten und alles fotografierten, was ihnen vor die Linse kam. Heute macht das jeder mit seinem Handy.

Menschen von heute können oft das Flair der historischen Städte oder die Schönheit der Natur nicht mehr genießen, denn sie sind zu sehr damit beschäftigt Bilder zu posten, und checken dann ständig den Account, um zu sehen wie viele Likes sie bekommen haben.

Sie leben nicht mehr in der Gegenwart, sondern im Irgendwo. Ihr Herz kommt nicht mehr zur Ruhe, immer erwarten oder erhoffen sie eine Nachricht, ein Like. Wie sollen sie noch Ruhe finden zum Gebet.

Die modernen Menschen teilen alles und führen ihr Leben online. Sie werden hysterisch, wenn die Verbindung mit dem Netz auch nur für ein paar Minuten abbricht. Sie haben Angst den Anschluss zu verlieren. Auch das Zusammenleben in der Familie kann darunter leiden.

Dann fällt der Same auf steinigen Boden und wird von den Vögeln gefressen.

Facebook, Google und Amazon kennen schon heute Persönlichkeiten und Stimmungen von Menschen besser als deren Freunde, Eltern und Partner. Diese Konzerne können nicht nur genau Auskunft geben, wie sie sich fühlen, sondern wissen unzählige weitere Dinge über sie, die sie kaum für möglich halten.

Wenn man überlegt, wen man heiraten, welche berufliche Laufbahn man einschlagen oder ob man einen Streit vom Zaun brechen soll, ist das völlige Zeitverschwendung darüber nachzudenken. Amazon, Google und Facebook kennen sie besser als sie sich selbst.

Was bringen demokratische Wahlen, wenn Computer wissen, wie jede Person abstimmen wird, und wenn sie sogar die genauen Gründe dafür angeben können.

Auch früher hat er Werbung gegeben, aber man hat gewusst vor der Tagesschau oder den Heute-Nachrichten läuft Werbung. Werbung will mich beeinflussen, aber heute geschieht die Beeinflussung unbewusst.

Der Same fällt in die Dornen und wird von den Sorgen der Welt erstickt.

In der Vergangenheit gab es viele Dinge, die nur Menschen tun konnten. Weil Amazon, Google und Facebook alles über uns wissen, sind Roboter und Computer heute oft schon besser als der Mensch. Wenn Computer Menschen aus dem Arbeitsmarkt drängen, konzentrieren sich Reichtum und Macht in den Händen einer kleinen Elite.

Wenn wir also nicht nur Taxifahrer und Ärzte, sondern auch Anwälte, Dichter und Musiker durch überlegene Computerprogramme ersetzen können, warum sollte es uns groß kümmern, wenn diese Programme über kein Bewusstsein und keine subjektiven Erfahrungen verfügen?

„Als das Auto die Pferdekutsche ersetzte, haben wir die Pferde nicht optimiert – wir haben sie in den Ruhestand geschickt. Vielleicht ist es Zeit, das Gleiche mit dem Homo sapiens zu tun.“

Nova Harari

In der Vergangenheit funktionierte Zensur dadurch, dass die Informationsfluss blockiert wurde. Heute bedeutet Zensur, die Menschen mit vielen irrelevanten Informationen zu überschwemmen. Die Menschen vergeuden ihre Zeit oft damit, dass sie sich mit Nebenaspekten beschäftigen lassen. In früheren Zeiten bedeutete Macht, Zugang zu Daten zu haben. Heute bedeutet Macht zu wissen, was man ignorieren kann.

Und hier fällt der Same auf den Weg und vertrocknet, weil er keine Wurzeln hat.

Warum spricht Jesus über das Himmelreich in Gleichnissen? Die modernen Menschen können nicht mehr hören, sie können nicht mehr glauben, weil sie ständig abgelenkt sind. Beten wir für sie!

Den sonntäglichen Gottesdienst brauchen wir, um zur Ruhe zu kommen, uns orientieren zu können, nicht Gott, um sich von uns Beweihräuchern zu lassen!