19. Juli 2024

Endspiel um den Messias

Gelegentlich gelingt einem Tennisprofi ein perfektes Tennisspiel. Egal, was sein Gegner auch versucht, es kommt immer ein passender Return. Der Gegner wird förmlich vom Platz gefegt.

Dieses Bild kann einem kommen, wenn man die Diskussionen Jesu am Ende des Matthäus-Evangeliums liest. Die verschiedenen Gruppen mit ihren unterschiedlichen Vorstellungen kommen und wollen Jesus in Schwierigkeiten bringen. Sie scheitern.

Vielleicht kennen Sie das Gefühl. Sie stehen vor Menschen, die nur darauf lauern, dass sie etwas Falsches sagen oder tun. So geht es Jesus jetzt, aber er meistert die heikle Situation souverän.

Da sind die Sadduzäer, sie glauben nicht an die Auferstehung der Toten. Sie gehören zu den etwa fünf Prozent der Reichen und Mächtigen im jüdischen Volk, sie können sich das Leben richten und haben sich mit der römischen Besatzung arrangiert.

In ihren Augen ist der Gedanke an eine Auferstehung der Toten eine „revolutionäre Idee“. Wenn es eine Auferstehung tatsächlich gäbe, dann müssten sie irgendwann für ihr Leben Rechenschaft geben. Sie wissen, dass dies bedeuten würde, dass sie anders leben müssten.

Da sie der Gedanke an die Auferstehung eher beunruhigt, versuchen sie diese Idee ad absurdum zu führen. Sie konstruieren aus dem Gesetz des Mose einen hypothetischen Fall.

Das sind sieben Brüder und der älteste heiratet, stirbt aber kinderlos. Jetzt sieht das mosaischen Gesetz vor, dass der zweite Bruder dem ersten Nachkommen zeugt, aber auch erstirbt ohne Nachkommen. Das gleiche passiert bis zum siebten Bruder. Als letzte stirbt die Frau. Alle sieben Brüder haben sie zur Frau gehabt, wessen Frau wird sie im Reich Gottes sein?

Die Sadduzäer machen mehrere Fehler:

  1. Dieses seltsam anmutende Gesetz sollte den Fortbestand der Sippe und damit des auserwählten Volkes sichern. Jesus lehrte aber, dass die Zugehörigkeit zum auserwählten Volk nicht durch leibliche Geburt, sondern durch die Taufe geschenkt wird.
  2. Er lehrte, dass das Reich Gottes nicht gleichzusetzen ist mit dem Volk Israel, deswegen hatte dieses Gesetz seine Bedeutung verloren. Das Reich Gottes ist eine neue Weltordnung, in der eigene Maßstäbe gelten, die wir uns nicht einfach vorstellen können und der Erhalt der Familie ist dort nicht mehr notwendig. Die Menschen werden sein wie die Engel.
    Vor über 30 Jahren war ich als neugeweihter Priester mit Jugendlichen unterwegs. An einem Abend unterhielten sie sich über den Himmel. Der Himmel war für sie kein erstrebenswerter Ort: eine Ewigkeit knien und beten, dass würde doch niemand aushalten.
    Schließlich warf einer der Ältesten ein: „Ihr seid alle doof!“ Daraufhin wurde es still. Als es still war, sagte er: „Wenn es Gott geschafft hat, eine Welt zu erschaffen, die so faszinierend ist, dass keiner von euch ‚abtreten‘ will, dann wird er es wohl auch hinbekommen, einen Himmel zu erschaffen mit Dingen, die wir uns jetzt noch nicht vorstellen können und die noch viel faszinierender sind. (Gott selbst wird das Faszinierendste im Himmel sein.)
  3. Die Sadduzäer denken zu klein von Gott. Sie argumentieren mit der Heiligen Schrift, sehen aber das große Ganze nicht. Schon bei der Erscheinung im Dornbusch nennt sich Gott der Gott deines Vaters, der Gott Abrahams, Isaacs und der Gott Jakobs.
    Obwohl sie vor langer Zeit starben, leben sie für Gott. Er ist doch nicht der Gott der Toten, sondern der Lebenden. Wer um das Reich Gottes weiß und klug ist, lebt anders. Er berücksichtigt schon jetzt die Maßstäbe Gottes.

Nach den Sadduzäern versuchten sich die Pharisäer, auch sie wollten ihm eine Falle stellen. Wie bei den Pharisäern üblich stellten sie eine typische Lehrfrage. Seiner Antwort konnten sie zustimmen: „Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit deinem ganzen Denken. Das ist das erste und wichtigste Gebot. Ebenso wichtig ist das zweite: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.“

An dieses Gebot sollte sich jeder Juden nicht nur halten, er sollte es täglich beten. Aber hielten die Menschen das Gebot wirklich ein? Wir wissen selbst, dass unser Herz nicht auf einen Schlag erneuert wird. Dunkelheit und Unreinheit lauern immer noch in seinen Untiefen.

Die Gottes- und Nächstenliebe findet ihre Erfüllung in Tod und Auferstehung Jesu. Er selbst ist der eine, der das Gebot tatsächlich erfüllt.

Jetzt stand Jesus eine Frage zu und er fragte sie: Ist der Messias, Davids Sohn oder Davids Herr – oder vielleicht beides? Diese Frage hatten sich die Pharisäer noch nie gestellt und sie wussten keine Antwort, obwohl die Antwort in Fleisch und Blut vor ihnen stand.

Die Verheißung lautete, dass der Messias ein Sohn Davids sei und die meisten Juden seiner Zeit erhofften sich, dass er den militärischen Sieg über Israels Feinde erringen würde. So ein Messias würde die Menschen aber kaum ermutigen, Gott von ganzem Herzen zu lieben und die Nächsten, wie sich selbst.

Wenn die Pharisäer also die Heiligen Schriften gut studiert hätten, dann hätten sie erkannt, dass der wahre Messias diese Hoffnungen nicht erfüllen würde. Die Feinde, die der Messias besiegen wird, sind nicht die nationalen Feinde Israels, sondern die ultimativen Feinde der gesamten Menschheit: die Sünde und der Tod, den die Sünde mit sich bringt.

Da Jesus weiß, wie Sünde und Tod besiegt werden können, geht er den Weg bis zum Kreuz und zur Auferstehung. Die äußerliche Niederlage ist der Matchball Jesu, mit dem er den Sieg erringt. Denn der Messias ist der Sieger über den Tod und somit auch der Herr Davids.