30. November 2020

Was hat Gott und das Corona-Virus gemeinsam?

Beide sind unsichtbar und doch Realität! Wenn ein Mensch den Virus in sich trägt, dann bekommt er früher oder später mehr oder weniger starke Krankheitssymptome. Selbst wenn er keine Krankheitssymptome bekommt, kann man Antikörper im Blutbild nachweisen.

Gibt es „Symptome“ oder „Antikörper“ die auf Gott hinweisen? Ein derartiges „Symptom“ oder derartiger „Antikörper“ ist uns allen bekannt: der Streit! Sie fragen sich: Was der Streit mit Gott zu tun hat? Warum gerade der Streit auf Gott hinweisen soll?

Was machen Sie, wenn Sie streiten? Sie werfen einem anderen Menschen vor, sich nicht an die Regeln gehalten zu haben oder nicht die Wahrheit zu sagen. Der Vorwurf macht nur Sinn, wenn die Regeln auch für ihn gelten und er sie kennen muss. Sie wissen sehr wohl von Ihren Vorlieben, die erwarten Sie von keinem anderen.

Aber wenn Sie jemanden immer wieder geholfen haben und er Ihnen einfach nie helfen will, dann werfen Sie ihm unfaires Verhalten vor. Wenn Sie im Büro gemobbt werden, dann fordern Sie die anderen auf, Sie in Ruhe zu lassen. Ansonsten würden Sie sich sonst an eine höhere Stelle wenden. Wenn Sie in öffentlichen Verkehrsmitteln erleben wie eine Person von anderen angegriffen und geschlagen wird, fordern Sie – vorausgesetzt Sie haben den Mut – die Schläger auf, ihr Opfer in Ruhe zu lassen.

Was ich an all diesen Bemerkungen interessant finde, ist, dass derjenige, der so etwas sagt, damit nicht bloß ausdrückt, dass das Verhalten der anderen Person ihm nicht gefällt. Sondern er beruft sich auf irgendeinen Verhaltensmaßstab und geht davon aus, dass dieser auch der anderen Person bekannt ist.

C. S. LEWIS: Pardon, ich bin Christ. 23. Taschenbuch-Auflage – Basel: Fontis-Brunnen, 2016, S. 23.

Dieses Rechts- und Wahrheitsempfinden wird nicht von außen an uns herangetragen oder uns von außen aufgezwungen, sondern wir fühlen es in uns.

Fragen wir uns: Wie verhalten wir uns, wenn uns jemand vorwirft, dass wir Unrecht getan oder nicht die Wahrheit gesagt haben?

Haben Sie schon einmal geantwortet: Die Wahrheit oder richtiges Handeln gibt es gar nicht? Was willst du von mir? Suchen Sie nicht vielmehr nach plausiblen Gründen, um Ihr Verhalten zu erklären und als regelkonform darzustellen? Tragen Sie nicht Argumente vor, warum in diesem Spezialfall die Regel für Sie nicht anwendbar war? Wenn Sie keine plausiblen Argumente finden und ein anständige Menschen sind, dann entschuldigen Sie sich für Ihr Verhalten.

Eine ist sollte klar geworden sein: Streiten heißt Recht haben wollen. Streiten setzt Regeln voraus, die allen klar sind und für alle gelten. Recht-haben-wollen wäre unsinnig, wenn es richtiges Handeln und Wahrheit nicht gäbe. Wer streitet, setzt voraus, dass diese Regeln allen Menschen bekannt sind.

Beim Sport kann der Schiedsrichter nur deshalb ein Foul pfeifen, weil die Spielregeln von allen anerkannt sind. Falls Zweifel existieren, kann der Videoassistenten eingeschaltet werden, um festzustellen, wer Recht hat. Aber es lässt sich feststellen, wer Recht hat.

Ein anderes Beispiel: Sie wissen, dass Westberlin bis zum Fall der Mauer von einer kilometerlangen Mauer umgegeben war. Auch wenn Sie in dieser Zeit nicht in Westberlin gewesen sind, haben Sie eine Vorstellung davon. Ihre persönliche Vorstellung muss nicht mit der von anderen Menschen übereinstimmen. Aber es gibt Bilder aus dieser Zeit und Zeitzeugen, die wir fragen können. Wir können unsere persönliche Vorstellungen an der Wahrheit korrigieren.

Recht und Wahrheit sind nicht gleichzusetzen mit Gott, aber sie sind so ein „Symptom“ oder „Antikörpertest“ für den unsichtbaren Gott. Sie lassen den Menschen erahnen, es gibt etwas Größeres! Wenn dies jemand in Frage stellt, dann behandeln Sie ihn unfair und warten Sie ab, wie lange er das aushält. Er könnte sich bei Ihnen nur dann beklagen, wenn er zugibt, dass es Recht und Wahrheit gibt.

Wenn jemand meint, er habe immer Recht, dann behauptet er eigentlich, er sei Gott. Denn nur Gott hat immer recht und er ist die Wahrheit.

Wenn Menschen über Jahrzehnte benachteiligt werden; wenn der Staat Ihnen in schwierigen Situationen nicht hilft; wenn er die Reichen bevorzugt; wenn Algorithmen Menschen wegen ihres Wohnortes kriminalisieren und sie deshalb weder Arbeitsplatz oder Krankenversicherung, noch Kredit erhalten, dann ist dies ungerecht. Dieses Empfinden wäre aber eine Fehlleistung der Evolution, wenn es Recht und Wahrheit nicht gäbe.

Aber Recht und Wahrheit sind so sehr in uns eingeschrieben, dass Ungerechtigkeit nur schwer ertragbar ist und es unangenehm ist, selbst als ungerecht zu gelten. In den USA können wir dies gerade live erleben.

Gerechtigkeit und Wahrheit sind ein „Symptom“ oder „Antikörpertest“ für die Existenz Gottes. Sie machen den Menschen darauf aufmerksam, dass es etwas über ihm gibt. Vielleicht hilft Ihnen dieses Wissen beim nächsten Streit und Sie gehen gemäßigter an die Sache!