23. September 2020

Was sagt die Kirche zur Impfung?

In den vergangenen Wochen haben wir im Fernsehen immer wieder auch Berichte gegen die Corona-Beschränkungen gesehen. Ich habe mich manchmal gefragt, ob ein sachliches Gespräch möglich gewesen wäre. Ein Thema das auch bei den Demonstrationen der letzten Wochen eine Rolle spielte, war die Impfpflicht.

Welche Haltung soll ein Christ dazu einnehmen? Ich will nicht die persönliche Gründe, die dafür oder dagegen sprechen können (Allergien, Unverträglichkeiten, Vorerkrankungen), sondern allein die kirchliche Position darstellen.

Die Kirche ist sich bewusst, dass die Lebenserwartung vor allem im letzten Jahrhundert enorm gestiegen ist und immer noch steigt. Sie anerkennt, dass dies ohne die Entwicklung von Impfstoffen oder die Entdeckung von Antibiotika nicht möglich gewesen wäre, und dass ohne Impfungen und Antibiotika die Lebenserwartung auch wieder sinken würde.

Unterstützt die Kirche also uneingeschränkt die Impfungen? Die Antwort ist: Nein!

In den 60 ziger Jahren des letzten Jahrhunderts wurden in den USA und in Großbritannien zwei abgetrieben Kindern Zellen entnommen. Diese wurden im Labor kultiviert (vermehrt) und diese Zelllinien werden immer noch auch für die Erstellung von Impfstoffen verwendet. Betroffen sind in Europa Impfungen gegen Hepatitis A, Röteln und Windpocken.

Ohne die Nutzung humaner fetaler Zellen erfolgt in Deutschland die Produktion der antiviralen Impfstoffe gegen Grippe, Masern, Mumps, Polio, Hepatitis B, FSME und Gelbfieber.

https://aerzte-fuer-das-leben.de/fachinformationen/schwangerschaftsabbruch-abtreibung/impfstoffe-und-abtreibung/

Für die Kirche beginnt die Würde der Person mit der Zeugung.

«Der Mensch muss von seiner Empfängnis an als Person geachtet und behandelt werden und infolgedessen muss man ihm von diesem Augenblick an die Rechte der Person zuerkennen und darunter vor allem das unverletzliche Recht jedes unschuldigen Menschen auf Leben» (Nr. 4).

http://w2.vatican.va/roman_curia/congregations/cfaith/documents/rc_con_cfaith_doc_20081212_sintesi-dignitas-personae_ge.html

«Der Ursprung des menschlichen Lebens hat… seinen authentischen Ort in Ehe und Familie, wo es durch einen Akt gezeugt wird, der die gegenseitige Liebe von Mann und Frau zum Ausdruck bringt. Eine gegenüber dem Ungeborenen wahrhaft verantwortliche Zeugung muss die Frucht der Ehe sein» (Nr. 6). 

http://w2.vatican.va/roman_curia/congregations/cfaith/documents/rc_con_cfaith_doc_20081212_sintesi-dignitas-personae_ge.html

Eigentlich weißt uns schon das Dogma der Unbefleckten Empfängnis daraufhin. Maria wurde vom Anfang an ihres Daseins im Schoß ihrer Mutter Anna von den Folgen der Erbsünde befreit. Von der Sünde oder ihren Folgen wird aber z.B. kein Baum oder Haus befreit. Das Deutsche Grundgesetzt schützt die Würde des Menschen, dieses Dogma beansprucht diesen Schutz vom ersten Augenblick seines Dasein.

(1) Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt.

https://www.bundestag.de/gg

Ist die Verwendung von Impfstoffe, die auf human fetale Zelllinien zurückgreifen, nicht eine Komplizenschaft mit einer historischen Abtreibung? Und wie soll sich der Christ hier verhalten?

Komplizenschaft mit lang zurückliegenden Übeln kommt viel öfter vor, als wir es auf den ersten Augenblick erwarten. Müssen wir uns Gedanken machen, wenn wir in Gebäuden arbeiten, die von den Nationalsozialisten erbaut wurden? Müssen wir uns Gedanken machen, weil Karl der Große unser Land mit Zwang und Gewalt christianisiert hat?

Liebt Gott Kinder (Menschen), die durch eine künstliche Befruchtung gezeugt wurden, weniger? Die Antwort sei hier gleich gegeben: Sicher nicht! Die Verantwortung liegt wenn schon bei Eltern und Ärzte, nicht beim Kind. Human fetale Zelllinien werden auch für Kosmetikprodukte verwendet! Achten Sie beim Kauf darauf?

Die Kirche nennt Versuche an Embryonen ein Verbrechen gegen die Würde des Menschen, sie sind immer ein schweres sittliches Vergehen.

Die Durchführung von Versuchen an Embryonen «stellt ein Verbrechen dar gegen ihre Würde als menschliche Geschöpfe, die das Recht auf dieselbe Achtung haben, die dem bereits geborenen Kind und jeder Person geschuldet wird. Die Durchführung von solchen Versuchen stellt immer ein schweres sittliches Vergehen dar» (Nr. 34).

http://w2.vatican.va/roman_curia/congregations/cfaith/documents/rc_con_cfaith_doc_20081212_sintesi-dignitas-personae_ge.html

Deswegen fordert die Kirche in der Instruktion Dignitas Personae die Ärzte und Wissenschaftler auf, sich von einem schwer ungerechten gesetzlichen Rahmen abzugrenzen und klar den Wert des menschlichen Lebens zu bezeugen.

 Es ist klarzustellen, «dass die Verpflichtung zur Ablehnung eines derartigen „biologischen Materials“… von der Verpflichtung herrührt, sich bei der Ausübung der eigenen Forschungstätigkeit von einem schwer ungerechten gesetzlichen Rahmen abzugrenzen und klar den Wert des menschlichen Lebens zu bezeugen.» (Nr. 35).

http://w2.vatican.va/roman_curia/congregations/cfaith/documents/rc_con_cfaith_doc_20081212_sintesi-dignitas-personae_ge.html

Die Kirche fordert die Wissenschaftler auf, andere Wege einzuschlagen. Zumal es in Japan für Hepatitis A und Röteln ethisch unbedenkliche Impfstoffe gäbe.

Gegen Hepatitis A und Röteln werden in Japan aber Aktiv-Impfstoffe angeboten, die nicht mit Hilfe menschlicher Zelllinien aus abgetriebenen Kindern hergestellt werden. Es gibt sie also, weshalb nicht in Deutschland?

https://aerzte-fuer-das-leben.de/fachinformationen/schwangerschaftsabbruch-abtreibung/impfstoffe-und-abtreibung/

Was heißt das für den gewöhnlichen Bürger, der zu einer Gefahrengruppe gehört? Kann er, um seine Gesundheit zu wahren, auf diese Impfstoffe zurückgreifen? Wer keinen Einfluss hat auf die Entwicklung von Impfstoffen und in einer ernsthaften Gefahr ist, darf auf diese Impfstoffe zurückgreifen. Jedoch ist er verpflichtet dagegen Einspruch zu erheben.

So dürfen zum Beispiel Eltern wegen der Gefahr für die Gesundheit der Kinder die Verwendung von Impfstoffen gestatten, bei deren Vorbereitung Zelllinien unerlaubten Ursprungs verwenden wurden, wobei jedoch alle verpflichtet sind, dagegen Einspruch zu erheben und zu fordern, dass die Gesundheitssysteme andere Arten von Impfstoffen zur Verfügung stellen. Man muss auch beachten, dass in Betrieben, die Zelllinien ungerechten Ursprungs verwenden, jene, die keine Entscheidungsvollmacht haben, nicht dieselbe Verantwortung tragen wie jene, die über die Ausrichtung der Produktion entscheiden» (Nr. 35).

http://w2.vatican.va/roman_curia/congregations/cfaith/documents/rc_con_cfaith_doc_20081212_sintesi-dignitas-personae_ge.html

Die Demonstrationen wären sachlich betrachtet eine gute Möglichkeit die Zulassung ethisch unbedenklicher Impfstoffe zu verlangen. Die Demonstrationen wären eine gute Gelegenheit die Politik aufzufordern, einen ethisch unbedenklichen Impfstoff für Windpocken zu fördern.

Interessante Quellen:

http://w2.vatican.va/roman_curia/congregations/cfaith/documents/rc_con_cfaith_doc_20081212_sintesi-dignitas-personae_ge.html

http://www.vatican.va/roman_curia/congregations/cfaith/documents/rc_con_cfaith_doc_20081208_dignitas-personae_ge.html