26. Juni 2022

Was wir aus der Pandemie für das Leben lernen können!

Immer wieder wird die Corona-Impfung mit der Abtreibung in Verbindung gebracht. Was ist dran? Die Impfstoffe von Johnson & Johnson und von AstraZeneca greifen für die Produktion ihrer Impfstoffe auf Zelllinien zurück, die aus zwei Jahrzehnte zurückliegenden Abtreibungen stammen.

Was sagt die Kirche dazu? Sie hält ganz an der Würde des Menschen von seinem natürlichen Anfang bis natürlichen Tode fest und fordert alle Verantwortlichen der pharmazeutischen Unternehmen und der staatlichen Behörden auf, Impfstoffe herzustellen, die ethisch sind, und weißt sie auf ihre Verantwortung vor Gott hin. Natürlich kann die Kirche Wissenschaftlern und Politikern nur ins Gewissen reden, aber nicht alle, vor allem wenn sie keine Katholiken sind, fühlen sich dadurch im Gewissen verpflichtet.

Wenn es keine ethisch neutralen Impfstoffe gibt oder Sie nicht die Wahl haben, erlaubt die Kirche auch einem Katholiken, auf unethische Impfstoffe zurückzugreifen, wenn eine medizinisch dringende Notlage besteht, und er gleichzeitig seine Stimme erhebt und einen ethischen Impfstoff verlangt. Ob er mit seinem Protest gegen die unethische Herstellung Gehör findet, liegt nicht in seiner Hand. Er darf auf derartige Impfstoffe auch zurückgreifen, wenn sein Protest nicht zum Erfolg führt.

Es ist bemerkenswert, dass der Protest gegen unethische Impfstoffe erst jetzt laut wird. Denn seit Jahrzehnten gibt es Parkinson- und Alzheimertherapien, die ebenso unethisch sind. (Jedoch ist Vorsicht geboten, da die gesetzliche Grundlage in jedem Land anders ist. Man kann hier nicht einfach alle Länder über einen Kamm scheren.) Der Protest hätte auch bei der Masern-Impfpflicht laut werden müssen. Nicht weil der Masern-Impfstoff unethisch ist, sondern weil er nur mit zwei anderen Impfstoffen verimpft wurde, von denen einer unethisch ist!

Müsste die Kirche ihren Gläubigen nicht generell verbieten, derartige Impfstoffe zu verwenden? Macht sie sich durch dieses „Schlupfloch“ nicht zum Komplizen der Abtreibung?

Darf eine Person sich aus dem Rückenmark Stammzellen entnehmen lassen, um einem Krebspatienten Hoffnung auf Heilung zu geben? Dürfen Eltern entscheiden, dass ihrem bei einem Verkehrsunfall tödlich verunglückten Kind, dessen Rückenmark in der Halswirbelsäule durchtrennt wurde und das stirbt, sobald die Maschinen abgeschaltet werden, Zellen entnommen werden können, damit andere eine Lebenschance haben? Wichtig ist mir nur zu zeigen, dass nicht alle menschlichen Zellen in therapeutischer Verwendung aus einer Abtreibung stammen. Das ist einer der Gründe, warum die Kirche vorsichtig ist.

Es gibt aber noch einen anderen:

Ist der Komplize eines Mörders ebenso zu bestrafen wie der Mörder selbst? Ist der Freund eines Komplizen, der von dem Vorhaben wusste, und die Polizei nicht informiert hat, ebenso zu bestrafen wie der Mörder selbst? Ist der Bekannte eines Freundes des Komplizen, der ahnt, das sich da etwas zusammenbraut, aber keine wirklichen Anhaltspunkte hat und deshalb die Polizei nicht informiert, sich aber immer von Mord distanziert hat, ebenso zu bestrafen wie der Mörder?

Sie merken schon, auf was ich hinauswill: je größer die Distanz zum Verbrechen wird, umso geringer wird die Mitverantwortung für das Verbrechen. Wenn Sie sich dann, wie der Bekannte des Freundes, auch noch grundsätzlich von Mord distanziert haben, spricht die Kirche von materieller Mitwirkung. Man ist dann nicht mitschuldig.

Wenn Sie das nicht mittragen wollen:

  • dann machen Sie sich der Tierquälerei schuldig, wenn sie günstige Lebensmittel kaufen, obwohl sie wissen, dass das Tierwohl bei der Herstellung nicht beachtet wird. Sie wären nicht einmal entschuldigt, wenn sie sich ethisch unbedenkliche Lebensmittel nicht leisten können.
  • dann haben Sie sich des Mordes schuldig gemacht, wenn sie günstige Kleidung gekauft haben, die in Indien in jener Fabrik hergestellt wurden, die eingestürzt ist und hunderte von Arbeiterinnen unter sich begrub!
  • dann machen Sie sich der Vertreibung schuldig, wenn sie e-Autos oder Smartphones oder Flachbildschirme usw. benützen, für deren Herstellung in anderen Ländern die Lebensgrundlage von Menschen zerstört wird und diesen nichts anders als die Flucht bleibt!
  • dann werden Sie zum Komplizen der Abtreibung und Verhütung, wenn Sie bei einem Apotheker einkaufen, der diese Produkte verkauft oder Sie sich von einem Arzt behandeln lassen, der Abtreibungen durchführt oder die Pille verschreibt!
  • dann machen Sie sich der Pornographie schuldig, wenn Sie in einem Kaufhaus oder einer Buchhandlung einkaufen oder arbeiten, die derartige Zeitungen oder DVD’s im Sortiment haben!

Ich habe willkürlich einige Beispiele herausgegriffen, um Ihnen zu zeigen, dass das Problem der entfernten, materiellen Mitwirkung uns auch anderswo im Leben begegnet. Nicht immer gibt es eine einfache Lösung und meist können wir die Einzelheiten nicht überprüfen. Wir würden handlungsunfähig. Deshalb spricht die Kirche von differenzierten Verantwortlichkeiten bei der Mitwirkung zum Bösen. Wie bei den Corona-Impfstoffen von AstraZeneca und Johnson & Johnson dürfen wir unethisches Verhalten nicht einfach hinnehmen.

Aber es wäre Gott nicht zu erklären, warum wir in einem Punkt nur eine 100% Lösung gelten lassen (eine Corona-Impfung egal mit welchem Impfstoff ist Komplizenschaft) und bei anderen Bereichen des Lebens blinde Flecken mehr oder weniger bewusst in Kauf nehmen (Apotheke, Arzt, Lebensmittel, e-Autos, Smartphone, Flachbildschirmen, Kleidung, Buchhandlung). Unser Glaube sagt uns, wenn man eine unethische Situation nicht selbst verändern kann, muss man seine Stimme erheben. Das gilt aber nicht nur für Corona-Impfstoffe.

Zusätzlich zu Ihrem Protest sollten Sie sich überlegen, wie viel Geld Sie jeden Monat verwenden können, um bewusst ethische einzukaufen. Sie werden nicht alle Probleme in der Welt lösen können, aber wenn jeder Christ das tun würde, was er kann, dann wäre schon viel erreicht. Auf diesem Hintergrund gewinnen die kirchlichen Sammlungen: Adveniat, Missereor, Renovabis, Sternsinger Aktion, usw. einen wichtigen Sinn. Hier versucht die Kirche als Gemeinschaft bewusst, Ungerechtigkeiten und unethischen Strukturen in der Welt entgegenzuwirken.

Gott bietet uns einen realistischen Weg durch das Leben an und keinen utopischen. Gott erwarten von uns, dass wir das Mögliche tun, nicht das Unmögliche.