28. Mai 2020

Der Glaube ist entweder missionarisch oder er ist kein Glaube

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

In seiner Predigt am 25. April sagte Papst Franziskus:

„Aber bevor er [Jesus] ging [in den Himmel auffuhr], als er den Elf erschien, sagte er zu ihnen: ‚Geht hinaus in die ganze Welt und verkündet das Evangelium der ganzen Schöpfung’. … Der Glaube ist entweder missionarisch oder es ist kein Glaube.“

http://www.kath.net/news/71435

„Müssen wir alle Missionare sein und in ferne Länder gehen?“, fragt der Papst weiter. Der Glaube sei eine Lebensart, der die Offenbarung Gottes für andere Menschen sichtbar mache.

„Wenn ich sage, dass ich ein Christ bin und wie ein Heide lebe, geht das nicht! Das überzeugt niemanden.“

http://www.kath.net/news/71435

Der Papst erzählt, dass er einmal in Polen von einen Studenten gefragt wurde, was er sagen müsse, um seine atheistischen Kommilitonen [Mitstudenten] zu überzeugen. Der Papst antwortete:

„Nichts, mein Lieber, nichts! Das Letzte, was du tun müsstest, ist, etwas zu sagen. Fang an zu leben, und sie werden dein Zeugnis sehen und dich fragen: Warum lebst du so?“

http://www.kath.net/news/71435

Der Glaube müsse demütig weitergegeben werden, es gehe nicht darum andere zu überzeugen, sondern ihnen einen Schatz anzubieten. Der Christ lebe im Vertrauen, dass Gott mit ihm sei bis zum Ende der Tage, soweit der Papst.

Doch wie soll das in unserem konkreten Leben aussehen? Und wird der Versuch durch unser Leben Zeugnis für die Offenbarung Gottes zu geben, tatsächlich die gewünschte Wirkung haben? Oder ist er nicht völlig vergebens?

Vielleicht hilft uns da wieder ein Blick in die Geschichte. Wer in den ersten drei Jahrhunderten Christ wurde, lebte sehr gefährlich. Die Entscheidung sich taufen zu lassen, kam der Eintragung auf einer staatlichen Liste von Staatsfeinden gleich. So spricht Paulus die Christen seiner Zeit immer als Heilige an, denn sie alle waren bereit, wenn notwendig, mit ihrem Tod Zeugnis für ihren Glauben zu geben.

Das stille Zeugnis eines christlichen Lebens und des tapfer ertragenen Leides und Todes beeindruckte und überzeugte die Menschen. Die Christen hatten keine Angst vor dem Tod, das war offensichtlich. Was gab ihnen die Kraft? Was war ihr Geheimnis? Sie schienen eine Antwort auf den Tod zu haben, die ihnen die Angst vor dem Tod nahm. Sie waren bereit, die qualvollsten Tode auf sich zu nehmen und priesen dabei Gott.

So bat der hl. Ignatius von Antiochien, als Bischof war er Nachfolger des hl. Petrus in dieser Stadt, die Christen von Rom, sich nicht für seine Befreiung einzusetzen. Der ganze Brief ist lesenswert, hier nur ein kurzer Abschnitt:

„Erweiset mir damit den größten Gefallen, dass ich Gott geopfert werde, solange der Altar noch bereit steht, auf dass ihr in Liebe einen Chor bildet und dem Vater lobsinget in Christus Jesus, weil Gott den Bischof von Syrien zu finden sich gewürdigt hat und ihn vom Osten nach dem Westen sich herbeigeholt hat. Es ist schön, von der Welt unterzugehen zu Gott, damit ich bei ihm auferstehe.“

 https://bkv.unifr.ch/works/105/versions/121/divisions.

Der christliche Glaube war der Sauerteig, der schließlich große Teile der Gesellschaft durchdrungen hatte. 313 n. Chr. erließ schließlich Kaiser Konstantin das Toleranzedikt. Christsein war nicht mehr verboten und wurde nicht mehr bestraft.

Gott wird auch uns helfen, Sauerteig für unsere Gesellschaft zu sein. Wie aber können wir durch unser Leben Zeugnis geben? Überlegen Sie in der Stille, wie viele Stunden täglich, wöchentlich der Fernseher läuft. Lesen Sie täglich ein Kapitel aus dem Neuen Testament. Ich wette, das wirft Fragen auf. Wann haben Sie sich das letzte Mal Zeit genommen, um im Katechismus zu lesen und sich somit bemüht, ihren Glauben zu vertiefen?

Halten Sie die Sonntagsgottesdienste hoch! Ziehen Sie Gott nichts anderes vor! Diese Stunde gehört ihm, unabhängig davon, ob Sie den Pfarrer mögen oder nicht. Diese Stunde gehört ihm, unabhängig davon, ob Sie der Gottesdienst langweilt oder nicht.

Mit der Taufe haben Sie ein Anrecht auf das ewige Leben erworben, sie ist die beste Lebensversicherung. Aber die beste Lebensversicherung bringt nichts, wenn Sie die regelmäßigen Raten nicht einzahlen. Sie würden ihre Ansprüche verlieren. Eine Stunde in der Woche finden wir uns ein um Gottes-Dienst zu halten. So halten wir unseren Anspruch auf das ewige Leben aufrecht.

Eine Stunde in der Woche gehört ihm, egal was ist. Weder Formel 1, noch Fußball oder etwas anderes dürfen Sie ihm vorziehen. 1995 war ich zum ersten Mal in Israel, beeindruckt hat mich, wie die Juden den Sabbat einhielten. Da können wir Christen etwas lernen.

Im Vater unser hat Gott uns gelehrt, dass wir ihn Vater nennen dürfen, aber eben nicht meinen Vater, sondern unseren Vater. Egoistisch zu leben widerspricht dem Glauben. Weder im Leben kommt man damit beim himmlischen Vater durch noch im Gebet. Er erwartet von uns, dass wir ihm diese Stunde in Gemeinschaft schenken.

Im Vater unser heißt es auch: Geheiligt werde dein Name. Sie könnten sich fragen, ist der Name Gottes nicht heilig? Wie können Sie seinen Namen heiligen? Es stimmt, Gott ist heilig, aber seit der Taufe tragen Sie sein Antlitz in sich. Durch ein Leben aus dem Glauben bringen Sie dieses Antlitz in Ihnen zum Strahlen. Durch ein Leben aus dem Glauben heiligen Sie seinen Namen in sich.

Ab dem 4. Mai sind öffentliche Gottesdienste unter Auflagen wieder möglich. Da die Anzahl durch die Regelungen begrenzt ist, besteht noch nicht wieder die Pflicht am Sonntagsgottesdienst teilzunehmen. Eine Ersatzlösung am Fernseher oder im Radio erfüllt diese weiterhin. Wer krank und alt ist, konnte so seine Pflicht auch schon vor der Corona-Pandemie erfüllen.

Sehr gefreut habe ich mich über alle, die sich Zeit für die stille Anbetung genommen haben. Sie schenken Gott zusätzlich von ihrer kostbaren Zeit und legen so auch vor anderen Zeugnis für seine Existenz ab. Auch so werden Sie wie Jesus sagt: ‚Salz der Erde‘ und ‚Licht für die Welt‘.

Seit der Taufe tragen Sie ein unauslöschliches Siegel in Ihrem Herzen. Wenn Könige ihren Kindern den Siegelring anvertrauten, dann konnten diese im Namen ihres Vaters rechtsgültige Entscheidungen treffen und besiegeln. Als Christen tragen wir das Siegel Gottes seit der Taufe in unseren Herzen, ob wir wollen oder nicht, ist unser Leben Zeugnis für oder gegen Gott.