30. November 2020

Damals wie heute

Unter diesem Titel lagen in unseren Kirchen und eventuell liegen immer wieder Flugblätter aus mit Vorwürfen gegen die Kirche. Das auf diesem Flugblatt dargestellte Bild zeigt ganz offensichtlich den Apostel Judas, wie er Jesus durch einen Kuss verrät, und durch die Unterschrift „Damals wie heute“ und die Vorwürfe auf der Rückseite wird der Kirche vorgeworfen, dass Sie Jesus Christus heute wie damals verrät.

Ohne jetzt auf die einzelnen Vorwürfe, die hier in den Raum gestellt werden, einzugehen, ist es interessant, die auf der Rückseite angegebene Webadresse einmal zu besuchen (www.IB-Bayern.de), um zu sehen, wer diesen Vorwurf erhebt. Es handelt sich um die Identitäre Bewegung.

Wenn man sich dann noch die Mühe macht, sich über die Identitäre Bewegung zu informieren, dann findet man auf Wikipedia:

Als Identitäre Bewegung (auch Identitäre Generation, kurz Identitäre oder IB) bezeichnen sich mehrere aktionistische, völkisch orientierte Gruppierungen, die ihrem Selbstverständnis nach die Ideologie des „Ethnopluralismus“ vertreten. Sie gehen von einer geschlossenen, ethnisch homogenen „europäischen Kultur“ aus, deren „Identität“ vor allem von einer „Islamisierung“ bedroht sei. Fachjournalisten, Wissenschaftler und Verfassungsschützer beschreiben solche Vorstellungen als „Rassismus ohne Rassen“ und ordnen die Gruppen dem Rechtsextremismus zu.

In Deutschland werden die Identitären seit Juli 2019 vom Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) als klar rechtsextremistisch eingestuft und können nachrichtendienstlich überwacht werden, weil die „Positionen der IBD nicht mit dem Grundgesetz vereinbar sind“.

 https://de.wikipedia.org/wiki/Identitäre_Bewegung besucht am 9.10.2019

Soweit das Zitat. Die Vorwürfe werden demnach von einer Gruppierung erhoben, die nicht auf dem Boden des Deutschen Grundgesetzes steht. Wenn sich die Vorstellungen der Kirche nicht mit dieser Bewegung decken, dann verstehe ich das eher als Kompliment. Im Gegenzug muss sich die Identitäre Bewegung „Verrat“ am Deutschen Grundgesetz vorwerfen lassen.

Noch widersprüchlicher ist für mich aber, dass eine Bewegung, die von einer geschlossenen, ethnisch homogenen „europäischen Kultur“ ausgeht, der Kirche vorwirft, sie würde den in Palästina geborenen Juden Jesus verraten, der ganz offensichtlich nicht dieser geschlossenen, ethnisch homogenen „europäischen Kultur angehörte.

In meinen Augen ist das Flugblatt ein sehr schlecht durchdachter Vorwurf an die Kirche

Der Ursprung der Kirche liegt nicht in unserem Kulturraum, aber sie war immer missionarisch, sonst hätte das Christentum Europa nicht erreicht und über Jahrhunderte prägen können. Der Kirche in unseren Breiten mag der missionarische Eifer und das persönliche Streben nach Heiligkeit abhanden gekommen sein, aber sie hat nie andere Kulturen ausgeschlossen. Wichtig sollte ihr allein der einzelne Mensch sein.

Die Sattheit unserer Wohlstandsgesellschaft mag lähmend wirken. Sie mag den Egoismus und Individualismus fördern, auch in der Kirche. Das haben wir in den letzten Jahren sehr schmerzlich erfahren.

Wer sich an den Entwicklungen in unserer Gesellschaft stört und dagegen etwas unternehme will, ist eingeladen auf dem Boden des Grundgesetzes politisch aktiv zu werden.

Lassen Sie mich noch ein Wort zur Angst vor der Islamisierung Europas sagen. Auf Wikipedia kann man lesen:

Dabei unterschreiten die meisten Industrieländer schon seit den 1970er Jahren die „magische Schwelle“ von 2,1 Kindern pro Frau, das Bestandserhaltungsniveau, auch einfaches Ersatzniveau bzw. Ersatzniveau der Fertilität genannt, unterhalb dessen die Bevölkerungszahl langfristig abnimmt. Das Bestandserhaltungsniveau ist die durchschnittliche Kinderzahl pro Frau (zusammengefasste Geburtenziffer), die erforderlich wäre, um den Bevölkerungsbestand bei den gegebenen Sterblichkeitsverhältnissen konstant zu halten.

https://de.wikipedia.org/wiki/Fruchtbarkeit besucht am 28.2.2020

Ich will hier nicht darüber diskutieren, ob 2,1 Kinder tatsächlich ausreichend ist. Diese Zahl scheint mir nicht unbedingt zu berücksichtigen, dass Priester, Ordensleute zölibatär leben und es auch andere Menschen gibt, die kinderlos bleiben. Für Deutschland gilt laut Wikipedia:

Bereits ab etwa 1900 sank die Fertilitätsrate dramatisch. In der Zeit des Ersten Weltkriegs verstärkte sich die Abnahme noch. Nach dem Krieg stieg die Fertilitätsrate zwar wieder fast auf die Vorkriegswerte, setzte dann aber sofort die starke Abnahmetendenz der Vorkriegszeit fort. Nach 1933 kam es in den Jahren des Nationalsozialismus zwar zu einem moderaten Anstieg. Der Zweite Weltkrieg führte dann aber wieder zu einem Rückgang, allerdings war dieser deutlich schwächer als im Ersten Weltkrieg. Nach dem Krieg blieb die Fertilitätsrate bis 1955 auf einem Niveau unter 2,1 und überschritt diese Marke in West- und Ostdeutschland erst wieder in den Jahren 1955–1965. Zu dieser Zeit nahm der Babyboom seinen Lauf. Danach kam es sowohl in West- als auch Ostdeutschland zu einem Rückgang der Fertilitätsrate aufgrund des Pillenknicks. Seitdem liegt die Fertilitätsrate deutlich unter 2. In der DDR kam es von 1975 bis zirka 1985 erneut zu einem Anstieg der Fertilitätsrate, der allerdings nicht die Grenze von 2,1 und damit eine Nettoreproduktionsrate von 1 erreichte.

https://de.wikipedia.org/wiki/Zusammengefasste_Fruchtbarkeitsziffer

Die Anzahl der Kinder pro Frau in Deutschland lag demnach 2010 trotz Migration bei 1,4 Kinder. Seit den 70 er Jahren erreichen die europäischen Länder nicht mehr die „magische Schwelle“ des „ Bestandserhaltungsniveau “. Eine Folge davon ist, dass in nahezu allen Branchen mittlerweile vom Fachkräftemangel gesprochen wird. Müsste die Gesellschaft nicht froh sein, über jeden der kommt, um die Lücken zu schließen, und uns hilft, unseren Wohlstand zu erhalten?

Wer sich Sorgen um die Zukunft der Gesellschaft macht und die christlichen Werte unserer Gesellschaft erhalten will, ist eingeladen, sein Leben und das seiner Familie christlich zu gestalten.

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