26. Juni 2022

Wüstenerfahrung in der Fastenzeit

Das heutige Evangelium berichtet uns davon, dass Jesus in die Wüste geht, 40 Tage fastet und dann vom Teufel versucht wird. Das Evangelium steht bewusst am Anfang der Fastenzeit: die Kirche lädt uns zu einer 40 tägigen Wüstenerfahrung ein!

In die Wüste zu gehen, heißt sich der Einsamkeit aussetzen, auf sich geworfen zu sein. Viele Menschen heute halten sich nicht aus und sind deshalb auf der Flucht vor der Stille. Gehen Sie bewusst in die Anbetung, halten sie sich eine Stunde lang ohne Ablenkung aus! Wüstenerfahrung!

Was erleben Sie in der Einsamkeit? Zerstreuungen? Nein, sich selbst! Hören Sie sich eine Stunde lang mal ganz bewusst zu! Was bewegt Sie, was lässt Sie nicht los? Tragen Sie das bewusst vor Gott! Machen Sie daraus ein Gebet! Geben Sie in dieser Stunde der Anbetung das Lenkrad Ihres Lebens in Gottes Hand, lassen Sie ihn machen! Er liebt Sie, lassen Sie sich bewusst von ihm lieben, so wie Sie gerade sind. Halten Sie ihm bewusst Ihr Herz hin.

Wer in der Wüste einen falschen Weg wählt, hat kaum Chancen zu überleben. Bitten Sie Gott in der Stille, Ihnen den weiteren Lebensweg oder auch nur die nächsten Schritte zu zeigen. Die Zehn Gebot sind Leitplanken, Sie werden die Erfahrung machen, dass Sie Ihren Weg in seiner Gegenwart erkennen.

Treten Sie wie Mose für andere vor Gott. Als das auserwählte Volk ungeduldig wurde und um das goldene Kalb tanzte, wollte Gott sie dafür bestrafen. Mose hat das ganz alleine verhindert. Warten Sie nicht bis andere mit Ihnen gehen, Gott hört Ihre Fürsprache! Nehmen Sie die Menschen, die Ihnen am Herzen liegen mit in die Anbetung, die Menschen in der Ukraine, Putin, auch er braucht dringend Ihr Gebet. Harren Sie für diese Menschen vor Gott aus! Vertrauen Sie ihm!

Jesus hat in der Wüste gefastet. Fasten Sie! Und immer wenn Sie Hunger verspüren und Ihren Vorsatz über Bord werfen wollen, blicken Sie zu Gott auf, dann wird Ihr Fasten zum Gebet. Sagen Sie ihm, dass Ihr Fasten ein Zeichen der Solidarität ist mit den Menschen in Not, in der Ukraine! Seien Sie sicher, Gott wirkt durch das Fasten in Ihnen.

Aber Jesus geht nicht nur in die Wüste und fastet, sondern er wird versucht.

Wenn du Gottes Sohn bist, so befiehl diesem Stein, zu Brot zu werden.

Lk 4,3

Du hast Hunger, sättige ihn doch mit deiner Wundermacht! Jesus hat kein einziges Wunder getan, um seine persönlichen Lebensumstände zu verbessern. Nicht einmal im Leiden und Sterben. Wie egozentrisch sind oft unsere Bitten. Ja, er hat Brot vermehrt für andere, nicht für sich! Jesus hat Hunger am eigenen Leib erfahren, er weiß, was Hunger ist. Er solidarisiert sich mit den Hungernden, aber er ist nicht einfach ein Sozialreformer. Er ist nicht gekommen, um uns jegliche Not zu ersparen, er ist gekommen, um die Wunden unseres Herzens durch seine Selbstlosigkeit zu heilen.

Wenn du Gottes Sohn bist, so stürz dich von hier hinab; denn es steht geschrieben: Seinen Engeln befiehlt er deinetwegen, dich zu behüten.

Lk 4,9

Wenn du die Menschen gewinnen willst, zieh eine Show ab, sie sind sensationslustig! Warum einen langen und beschwerlichen Weg wählen? Warum dein Blut vergießen, warum verachtet und verspottet werden? Du kannst die Menschen viel besser gewinnen, wenn du ihre Sensationslust befriedigst.

Wenn du wirklich Gottvertrauen hast, dann wage etwas Heroisches. Deine Lehren sind ihnen zu hoch, da können sie dir nicht folgen! Zeig ihnen deine Wunderkräfte und stürze dich hinab. Das begeistert sie, auf Göttliches verzichten sie gern. Die Menschen fühlen schnell Langeweile, unterbrich die Eintönigkeit ihres Lebens und peitsche ihre ermatteten Lebensgeister auf, aber lass ihr schuldbeladenes Gewissen in Ruhe!

Jesus weigerte sich, verblüffende und atemberaubende Taten zu vollbringen, um Menschen zu gewinnen, das galt damals und das gilt heute. Wer die Sensation sucht, ändert sich meist nicht. Er jagt den Sensationen hinterher und macht sich keine tiefen Gedanken über sein Leben. Jesus will die Menschen nicht mit Effekthascherei gewinnen, sondern mit selbstloser Liebe.

Die Antwort Jesu zeigt uns aber noch etwas Wichtiges: der Glaube darf nicht der Vernunft widersprechen! Es ist vermessen, sich wissentlich in Gefahr zu bringen und sich dann auf den Schutz Gottes berufen zu wollen. Jesus hat sich durch die Menschwerdung mit uns solidarisiert, er wollte keine Extrawurst.

All die Macht und Herrlichkeit dieser Reiche will ich dir geben; denn sie sind mir überlassen und ich gebe sie, wem ich will.

Lk 4,6

Die dritte Versuchung ist eine Art Friedensangebot. Verzichte auf die Erlösung, dafür leg ich dir die Welt zu Füßen. Machen wir einen Kompromiss: du betest mich an und ich trete dir meine Macht ab.

Du hast vielleicht die ganze Welt gewonnen, aber deine Seele, dein ewiges Leben hast du verloren. Mein Kreuz macht aus der gefallen Welt das Reich Gottes. Ich bin nicht bereit wie du, in die Rolle des Antichristen zu übernehmen. Das Reich Gottes lässt sich nicht auf dein Reich der Sünde herabziehen.

Jesus kam um dieses Reich zu zerstören und nicht, um es zu übernehmen. Jesus will die Menschen von all ihren Götzen erlösen und sie dann, gereinigt, in ihre Berufe zurücksenden. Es kommt auf jeden Menschen an, damit sein Reich Wirklichkeit wird. Was ist mir wichtiger als Gott? Was sind meine Götzen?

Nützen Sie die Fastenzeit als eine Wüstenzeit. Lernen Sie sich in der Anbetung besser kennen. Fasten Sie wirklich und machen Sie daraus Gebet. Blicken Sie auf die selbstlose Liebe Jesu. Vermeiden Sie Sensationslust und stellen Sie Gott nicht auf die Probe. Entdecken Sie Ihre Götzen und entscheiden Sie sich bewusst für den Herrn.