18. April 2021

Beten, aber wie?

Was hat es für die ersten Jünger Jesu bedeutet in seiner Nähe zu sein? Am heutigen Sonntag haben wir von der Verklärung Jesu gehört. Es erscheinen Mose und Eljia. Mose war seit über 1300 Jahren tot, Eljia seit mehr als 800 Jahren. Den drei Jüngern wurde ein Blick in die Ewigkeit Gottes gewährt. Es gibt ein ewiges Leben, denn sonst könnten Mose und Eljia nicht mit Jesus reden. Dieses Erlebnis war so gewaltig, dass selbst Petrus nicht mehr wußte, was er sagen soll.

Petrus sagte zu Jesus: Rabbi, es ist gut, dass wir hier sind. Wir wollen drei Hütten bauen, eine für dich, eine für Mose und eine für Elija. Er wusste nämlich nicht, was er sagen sollte; denn sie waren vor Furcht ganz benommen.

Mk 9,5-6.

Dieses und andere Erlebnis lösten bei den Jüngern sicher Bewunderung und Faszination aus. Sie hatten keinen Zweifel: Jesus ist der Sohn des lebendigen Gottes. Andererseits bot ihnen Jesus echte Freundschaft an.

Ich nenne euch nicht mehr Knechte; denn der Knecht weiß nicht, was sein Herr tut. Vielmehr habe ich euch Freunde genannt; denn ich habe euch alles mitgeteilt, was ich von meinem Vater gehört habe.

Joh 15,15.

Was macht eine echte Freundschaft aus? Mit einem echten Freund kann man alles teilen. Man spricht nicht nur über das Wetter usw. Man teilt Emotionen, Freuden, Sehnsüchte, Leiden, Schwierigkeiten, man vertraut ihm Geheimnisse an, kann bei ihm aussprechen, was man anderswo nie machen würde. Einem wahren Freund fühlt man sich im Herzen verbunden. Man kennt ihn und fühlt sich sicher. Er ist wichtig für mein Leben und nimmt daran teil. Achtet mich und will das Beste für mein Leben.

Mein Großvater väterlicherseits wurde in Mährisch Ostrau (Sudetenland) geboren und hatte einen Jugendfreund mit dem er den ersten Weltkrieg erlebte und im zweiten Weltkrieg als Soldat diente. Die vielen schönen und harten Erlebnisse schweißten die beiden zusammen. Nach der Gefangenschaft und der Flucht der Familien lebten sie in München. Die Urlaube verbrachten die beiden Familien zusammen. Als die Kinder erwachsen waren, fuhren die Ehepaare gemeinsam in den Urlaub und als die Ehefrauen verstorben waren, die beiden Jugendfreunde. Bei einem dieser Reisen brach mein Großvater auf dem Bahnsteig mit einem Herzinfarkt zusammen. Sein Jugendfreund alarmierte den Notarzt. Als der Notarzt kam, war es leider schon zu spät. Das tragische für den Jugendfreund war, dass er im Nachhinein erfahren hat, dass mein Großvater ein Medikament für den Notfall in der Jackentasche hatte, was er aber nicht wusste. Ich erinnere mich an das Begräbnis meines Großvaters, nach der Familie trat sein Jugendfreund an das Grab und brach zusammen. Hätte mein Vater nicht blitzschnell reagiert, er wäre auf den Sarg seines Freundes gefallen. Er hat das Begräbnis nicht lange überlebt.

Ich erzähle das, weil es zeigt wie tief menschliche Freundschaft werden kann, wenn sie gepflegt wird. Das erlebten die Jünger mit Jesus. Die Triebfeder ihrer Freundschaft war die Liebe und nicht die Pflicht. Aus Liebe haben sie Jesus und seine Lehren ernstgenommen.

Einsam ist man nur, wenn man niemanden hat, dem man das Herz öffnen kann.

Jesus ist für sie in den Tod gegangen, um ihnen das ewige Leben zu schenken. Gleichzeitig hat er sie aufgefordert: Liebt einander wie ich euch geliebt habe. Seine Jünger erlebten nicht nur sein grausames Sterben, sondern auch seine Auferstehung. Sie waren von ihn begeistert und fasziniert, sie folgten seinem Beispiel und setzten ihr Leben ein, anderen Menschen das ewige Leben zu schenken. Ohne moderne Medien verbreitete sich das Christentum rasend schnell.

Wir werden das, was wir bewundern oder anbeten! Berühmte Persönlichkeiten beeinflussen viele Menschen wie sie sich kleiden, welche Musik sie hören, wie sie sich benehmen. Jesus zu bewundern heißt, sich immer mehr von ihm prägen lassen. Das Christentum verspricht kein einfacheres oder besseres Leben, sondern es geht darum, dass eigen Leben mit Jesus Christus zu leben. Um dies uns nach 2000 Jahren noch zu ermöglichen hat, Jesus die Kirche gegründet. (Wir sind nicht in der Kirche, weil wir einen coolen Pfarrer oder Bischof haben.)

Aber wie kommen wir zu einer lebendigen Freundschaft mit Jesus Christus? Vielleicht hilft Ihnen folgende Geschichte:

Ein alter kranker Mann wird von seinem Pfarrer besucht. Der Pfarrer bemerkt neben dem Bett einen Stuhl, der so dasteht als hätte gerade noch jemand darauf gesessen. Er sagt: „Oh ich sehe, ich bin nicht der erste Besucher heute.“ Der alte Mann schaut ihn verwundert an, da zeigt der Pfarrer auf dem Stuhl. „Ah“, sagt der kranke Mann, „der Stuhl“. „Vor Jahren fand ich es schwierig zu beten. Oft wurde ich müde und schlief ein. Und wenn ich wach blieb, konnte ich meine Gedanken nicht kontrollieren. Jetzt stelle ich diesen Stuhl mir gegenüber.“

Der Priester blickt den alten Mann fragen an, dieser fährt fort: „Ich stelle mir vor, dass Jesus auf ihm sitzt und ich spreche zu ihm wie zu einem Freund. Das mache ich jetzt schon seit Jahren. Jetzt wissen Sie warum der Stuhl da steht.“

Wenn Sie nicht beten können, machen Sie es wie dieser alte Mann. Wie würden Sie sich empfinden, wenn Jesus wirklich neben Ihnen wäre? Wie würde ich Ihn grüßen? Grüßen Sie ihn wirklich! Danken Sie ihm, dass er Zeit für Sie hat. Gebet ist nicht Geschäftigkeit. Freunde können auch Stille zusammen genießen, es genügt zu wissen, dass der andere da ist. Freuen Sie sich an der Gegenwart des Herrn. Freunde teilen alles, Jesus kennt Ihre Geschichte mit all den Schatten- und Lichtseiten, vor ihm können und brauchen Sie nichts verbergen. Nehmen Sie Ihr Leben gemeinsam mit ihm wahr. Teilen Sie mit ihm alles, was sich gerade um Sie herum und in Ihrem Herzen abspielt, auch das, wo Sie Schutz und Hilfe erhoffen. Fragen Sie ihn etwas, achten Sie auf die Stimme Ihres Herzens. (Sie sollten regelmäßig in den Evangelien lesen, um die Stimme des Herrn wahrnehmen zu. können!) Stellen Sie ihm den heutigen Tag mit seinen Aufgaben, Schwierigkeiten, Freuden und Leiden vor Augen: Was würde er Ihnen als Wort für diesen Tag mit auf den Weg geben? Danken Sie ihm für sein Leben und seine Liebe. Machen Sie sich seine Liebe zu Ihnen bewusst und erwidern Sie seine Liebe. Füllen Sie den Raum mit Liebe. Erinnern Sie sich, dass die blutflüssige Frau Jesus von hinten berührte und geheilt wurde. Von ihm geht eine heilende Kraft aus. Werden Sie eins mit ihm!

Pierre Oliviant (+1871) hat das in folgendes Gebet gefasst:

Wachse, Jesus, wachse in mir, in meinem Geist, in meinem Herzen, in meiner Vorstellung, in meinen Sinnen.

Wachse in mir in deiner Milde, in deiner Reinheit, in deiner Demut, deinem Eifer, deiner Liebe.

Wachse in mir mit deiner Gnade, deinem Licht und deinem Frieden. Wachse in mir zur Verherrlichung deines Vaters, zur größeren Ehre Gottes.